RWA Anlangen

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet RWA?
Welche Aufgaben hat eine RWA?
Wie funktioniert eine RWA?
Welche RWA-Anlagen gibt es?
Wo und wann ist eine RWA-Anlage sinnvoll?
Wartung an RWA-Anlagen
Ist ein Wartungsvertrag sinnvoll?



Was bedeuted RWA eigentlich?

 

RWA bedeutet Rauch- Wärme- Abzugsanlage und bezeichnet eine brandschutztechnische Einrichtung die im Brandfall Personen- und Gebäudeschäden minimieren.

 


Was für Aufgaben hat eine RWA?

Eine RWA Anlage verfolgt 3 Schutzziele:

1. Personenschutz

Durch die Rauchfreihaltung bleiben Flucht- und Rettungswege erhalten, Personen können unbeschadet aus dem brennenden Gebäude flüchten und Rettungskräften ermöglicht es einfachere Evakuierungs- und Löscharbeiten.

2. Sachwertschutz

 Durch das Entweichen der Rauchgase wird die Möglichkeit einer Rauchgasexplosion minimiert. Die Gebäudesubstanz bleibt erhalten und der wirtschaftliche Brandschaden kann reduziert werden. Zudem erfordert eine sichtbare Brandstelle wesentlich weniger Löschmittelaufwand und reduziert somit auch die indirekten Schäden durch Löscharbeiten der Rettungskräfte.

3. Umweltschutz

Durch die gezielte Entrauchung werden weniger Gegenstände durch Wärmestrahlung des Rauchgases in Brand gesetzt und minimiert somit  die Konzentration an toxischen Brandrauchgasen.

 

Wichtigster Punkt aber bleibt der Personenschutz, da ca. 90% der Brandopfer an den toxischen Rauchgasen ersticken und nicht durch eine direkte Flammeneinwirkung. Bereits 10kg Papier erzeugen bei der Verbrennung 10.000 m³/h toxische Rauchgase, die erstickend wirken.


Wie funktioniert eine RWA Anlage?

Alle RWA Anlagen sorgen für einen rauchfreien Brandabschnitt indem sie Gebäudeöffnungen schaffen durch diese die Brandrauchgase entweichen können. Damit wird eine Ansammlung dieser hoch toxischen Gase verhindert, was im Brandfall zum Erhalt des Fluchtweges und der Gebäudesubstanz beiträgt und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit einer Rauchgasexplosion (Flashover) minimiert. Diese Maßnahmen erleichtern zudem die Evakuierungs- und Löscharbeiten der Rettungskräfte vor Ort.




Schauen Sie sich einen Brandverlauf zuerst ohne (1.) und danach mit einer RWA Anlage (2.) anhand mehrerer Grafiken an:

1.) Brandverlauf ohne RWA

Die Brandrauchgase sammeln sich durch die Thermik des Feuers an der Decke des Gebäudes. Die Rauchgase haben keine Möglichkeit zu entweichen.
Die Mange gesammelter Rauchgase nimmt zu und füllt schon das gesamte Gebäude, ebenso steigt auch die Temperatur steil an und es kommt bereits nach geringer Zeit zu Zerstörungen an der Gebäudestruktur. Fluchtwege sind nicht mehr erkennbar. Durch die Wärmestrahlung des Brandrauches fangen bereits Gegenstände außerhalb des Brandherdes an zu brennen. Gleichzeitig finden schon an mehreren Stellen kleinere Durchzündungen des Rauchgasgemisches statt. Es droht bei Sauerstoffzufuhr eine Rauchgasexplosion.
Bei einer Rauchgasexplosion fängt der gesamte Brandrauch schlagartig Feuer, bei der Durchzündung kommt es zu einer heftigen Druckwelle mit verheerender Wirkung auf in dem Gebäude befindlichen Personen, bzw. Rettungskräfte sowie der gesamten Gebäudesubtanz. Gebäude können durch die Explosion einstürzen und umherfliegende Trümmer auch weit entfernt noch erheblichen Schaden anrichten.
2.) Brandverlauf mit RWA

Die Brandrauchgase sammeln sich durch die Thermik des Feuers an der Decke des Gebäudes. Ein Rauchmelder oder thermischer Kontakt setzt die RWA Anlage in Alarmzustand. Die Dachhaube beginnt sich automatisch zu öffnen.

Die Brandrauchgase ziehen durch die geschaffene Öffnung aus dem Gebäude und können sich nicht sammeln. Die Temperatur bleibt konstant, dadurch wird die Gebäudestruktur nahezu erhalten. Fluchtwege bleiben erkennbar, eine sichere Evakuierung ist möglich.

Durch den Abzug der Rauchgase kann der Brandherd schnell lokalisiert werden und vereinfacht die Löscharbeiten der Rettungskräfte, was zum Erhalt der Gebäudestruktur beiträgt.

   

 



Was für RWA Anlagen gibt es?

Man unterscheidet grundsätzlich in:

NRA = Natürlicher Rauchabzug
Entrauchung wird durch natürliche Gebäudeöffnungen (Fenster, Dachhauben,…) durchgeführt

MRA = Maschineller Rauchabzug                  |
Entrauchung wird durch Brandgasventilatoren durchgeführt

Die überwiegend verbaute Art ist der natürliche Rauchabzug (NRA). Die Brandrauchabführung entsteht dabei aus nachströmender Luft.

Es gibt NRA Anlagen in folgenden Ausführungen:

Elektrische Anlagen
Besitzen i.d.R. eine Zentrale mit Notstromversorgung und können manuell durch Handnottaster, sowie autark durch Rauchmelder automatisch geöffnet werden. Es gibt neben Blitzleuchten, Sirenen, Wind/Regen Sensoren und Schlüsselschalter zur Lüftung noch zahlreiche weitere Ausbau- und Erweiterungsmöglichkeiten. Auch als funkvernetztes System möglich, somit können Kabelkanal und Leitungsverlegungen durch Treppenräume entfallen.

Forderung LBO: Mind. eine Auslösestelle im EG Vollausstattung: Mit Lüftungstaster, Wind/Regen Sensor, Rauchmelder und Sirene

 

Funkvernetzte RWA Anlagen

Sind ähnlich den normalen elektrischen Anlagen aufgebaut. Senden aber Ihr Alarmsignal über eine Funkfrequenz. Der Vorteil dieser Anlagen liegt im Bereich der Nachrüstung. Es entfallen sämtliche Kabelkanal- oder Leitungsverlegungsarbeiten im Treppenraum. Dies führt zu wesentlich kürzeren und einfacheren Montagearbeiten. Man kann jederzeit funkvernetzte Rauchmelder und Handnottaster nachrüsten, demontieren oder versetzen und bewegt sich somit auf einem höchstmöglichen Flexibilitätsgrad. Dabei stehen diese Anlagen in Sachen Sicherheit und Zuverlässig einer kabelgebunden Anlage in Nichts nach.

 

Pneumatische Anlagen
Besitzen i.d.R. einen Steuerkasten in dem man durch manuelle Betätigung eine CO² Patrone ansticht. Das Treibmittel wird danach mittels Leitungen an einen direkt an der Öffnungsfläche montierten Schubzylinder gebracht, der wiederum das Element öffnet.
Es gibt zudem autarke Lösungen bei denen ein Thermoventil mit Weingeistphiole eine vorgespannte Feder mit kleinerer Patrone direkt am Öffnungselement hält und beim platzen der Phiole durch überhöhte Temperatur wird die Patrone angestochen und leitet das Treibmittel direkt zum Element.

Kombinierte Anlagen
Viele pneumatische Anlagen vereinen die Treibmittel gesteuerte Öffnung mit einer elektrischen Lüftungsfunktion.

Pyrotechnische Anlagen
Die Öffnung des Elements wird mittels eines elektrisch gezündeten Druckgasgenerators (pyrotechnische Sprengung) erzeugt. Diese Systeme sind nur noch selten vorzufinden und entsprechen meist nicht mehr dem Stand der Technik. Man benötigt für diese Anlagen Erfahrungen im Bereich Sprengstoffe (BAM Klassifizierung nach T₁) und sind deshalb nur mit Vorsicht zu betreiben. Es kann keine Funktionsprüfung durchgeführt werden, da es sich um eine zerstörende Prüfung handeln würde.

 



Wo und wann ist eine RWA Anlage sinnvoll?

In Industriehallen und feuergefährdeten Betriebsstätten werden vom Baurechtsamt unter Einhaltung der gültigen LBOs der Länder RWA Anlagen vorgeschrieben.

Laut Landesbauordnung Baden-Württemberg ist bei mehr als 5 oberirdischen Geschossen oder innenliegenden notwendigen Treppenräumen eine RWA vorgeschrieben, da in der Regel die Treppenräume Hauptfluchtwege sind. Es gilt daher als oberste Priorität die Rauchfreihaltung dieses Abschnittes zu gewährleisten um eine schnelle und sichere Evakuierung sowie einfachere Löscharbeiten im Brandfall zu ermöglichen. Die Öffnung sollte an oberster Stelle des Gebäudes sein. Fenster dürfen auch als Rauchabzüge verwendet werden, wenn sie hoch genug liegen. Die Öffnung muss 5% der Treppenraumgrundfläche, jedoch mind. 1m² betragen. Es muss mindestens eine Bedienstelle im Erdgeschoss vorhanden sein. Mehrere Bedienstellen können gefordert werden.

Ein Rauchmelder ist laut Landesbauordnung nicht gefordert und muss nicht verbaut werden. Jedoch ist es fraglich ob sich diese minimale Kostenersparnis tatsächlich rechnet. Die Vorteile eines Rauchmelders in einer RWA Anlagen liegen auf der Hand. Denn mit einem Rauchmelder erreichen Sie eine frühestmögliche Erkennung einer Rauchentwicklung im Treppenraum bei zeitgleicher autarker Öffnung und Abführung dieser toxischen Gase. Mit der Montage einer Sirene erhalten Sie zudem eine sofortige Hausalarmierung, welche besonders bei Bränden in der Nacht Ihr Leben schützen kann!

Durch die Markteinführung der funkvernetzten RWA Anlagen ist es nun möglich auch nachträgliches Einbauen ohne größere Umbaumaßnahmen durchführen zu können. Denn bei diesen Anlagen entfallen größere Leitungsverlegungen durch den Treppenraum. Natürlich erfüllen auch funkgesteuerte Anlagen alle geforderten Auflagen einer normalen RWA Anlage. Das Thema funkgesteuerte RWA Anlagen ist eines unsere größeren Kerngebiete. Wir sind seit Einführung dieser Technik dabei und können somit auf einen beachtlichen Erfahrungsschatz im funkvernetzten Bereich zurückblicken. Bei Interesse beraten wir Sie gerne zu diesem Thema.



Muss ich Wartungen an RWA Anlagen durchführen und wer darf Wartungen vornehmen?

Eine RWA Anlage muss in regelmäßigen Zeitabständen betreut und instand gehalten werden (siehe Gesetzesauszüge zu RWA Anlagen). Diese Arbeiten können nur von Fachfirmen mit den entsprechenden technischen Qualifikationen geleistet werden. Mit Abschluss eines Wartungsvertrages erreichen Sie als Betreiber einer RWA Anlage ein Höchstmaß an Sicherheit, die einen Funktionserhalt über die gesamte Anlage gewährleistet.

Doch wer darf nun eine Anlage warten?
Nur wer sich als Sachkundiger nach DIN 18323 ausweisen kann und evtl. durch den Hersteller autorisiert wurde darf eine RWA Anlage warten. Bei elektrischen RWA Anlagen muss zusätzlich noch der Nachweis als Elektrofachkraft oder einer höheren Qualifikation vorliegen. Zudem muss die Versorgung von Originalersatzteilen sichergestellt sein.

Und wie erkenne ich eine kompetente Wartungsfirma?
Machen Sie sich vor Auftragsvergabe ein Bild über das Unternehmen dem Sie Ihren Brandschutz anvertrauen wollen! Sie können sich zum Beispiel erkundigen ob ein Unternehmen nach der DIN EN 9001 zertifiziert ist. Unternehmen mit dieser Zertifizierung müssen jederzeit nachweisen können das sie nach strengsten Qualitätsstandards und festgelegten Abläufen arbeiten. Dies wird durch den TÜV Nord turnusgemäß überprüft. Sie können sich zudem die Qualifikationen der einzelnen Mitarbeiter, bzw. die Firmenzertifizierungen zeigen lassen, damit stellen Sie sicher dass Ihre brandschutztechnischen Einrichtungen fachgerecht gebaut oder gewartet werden. Unternehmen die eine Wartungsfirma suchen sollten vor allem abklären ob eine ausreichende Haftpflichtversicherung vorliegt.



Ist ein Wartungsvertrag sinnvoll?

Ein Wartungsvertrag bringt Ihnen neben übersichtlichen Fixkosten noch den Vorteil dass Sie sich nicht um die Prüffristen kümmern müssen. Wir als Wartungsfirma melden uns automatisch vor Ablauf der Wartungsfrist, somit wird keine Wartung vergessen und damit wird auch eine höhere Lebensdauer der Anlagen gewährleistet. Durch einen Wartungsvertrag können Sie zudem Behörden oder Versicherern lückenlos die Funktionsfähigkeit der Anlagen vorzeigen und erhalten im Notfall oder bei Störungen der Anlagen eine schnelle und kompetente Hilfe.